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Eine szenische Lesung in Wetzlar inszeniert Goethes Schicksalsjahr 1775
„Für Goethe war das Jahr 1775 ein Schicksalsjahr.“ Diese These belegt Christine Belz-Hensoldt in ihrem Buch „Goethe 1775 – Das Schicksalsjahr zwischen Werther und Weimar.“ Sie zitiert darin aus Briefen Goethes, die dieser an das Stiftsfräulein Augusta Gräfin zu Stolberg schrieb. Diese Briefe bildeten den Rahmen einer szenischen Lesung, die der Wetzlarer Regisseur Oliver Meyer-Ellendt für die Wetzlarer Goethe-Gesellschaft am Freitagabend im Stadt- und Industriemuseum inszenierte.
In seiner weiteren Funktion als Vorsitzender der Wetzlarer Goethe-Gesellschaft begrüßte Oliver Meyer-Ellendt rund 120 Gäste im Stadt- und Industriemuseum. „Für Goethe wird seine Frankfurter Zeit zu Ende gehen, seine Weimarer Zeit beginnen. Er wird sich verloben, er wird sich entloben. Er wird überschwängliche Briefe an Augusta Gräfin zu Stolberg schreiben und mit ihren Brüdern in Schweizer Seen baden und vielleicht hatte Goethe sogar eine Liebschaft zu einer Offenbacherin“, so stimmte Meyer-Ellendt das Publikum ein.

Als Erzählerin las Christina Kremp aus dem Buch von Belz-Hensoldt. Fabian Schmitt trat als Goethe in Erscheinung und rezitierte aus den Goethe-Briefen an Augusta Gräfin zu Stolberg. In der Rolle der Augusta sprach Eva Marie Ruppricht. Goethe selbst hat alle Briefe, die er bis 1812 empfing, verbrannt. Somit sind nur die Briefe an Augusta Stolberg erhalten. Und es war eben die Freundschaft von Christine Belz-Hensoldt zu den Stolbergs, die sie darauf brachte, dass man sich intensiver mit dem letzten Frankfurter Jahr 1775 beschäftigen muss: „Es ist das Jahr, in dem Goethe vom „Werther“ Abschied nimmt, aus der Sturm-und-Drang-Zeit heraus, in die Welt der Klassik übertritt, was er selbst aber noch nicht wusste“, so brachte dies Belz-Hensoldt auf den Punkt.
Augusta selbst las begeistert „Die Leiden des jungen Werthers“. So begeistert, dass sie dem Dichter schrieb. Es kam zu einem leidenschaftlichen Briefwechsel: „Wer sich mit diesen Briefen befasst, bemerkt schnell, dass Goethe die spannendsten 1775 verfasste, dem Jahr, das ihm zum Schicksalsjahr geworden ist“, resümierte Belz-Hensoldt. Oliver Meyer-Ellendt inszenierte diesen Briefwechsel mit seinem Team spannend und gewohnt leicht zu genießen.
(c) VRM GmbH & Co. KG; wir danken Markus Fritsch für die freundliche Bereitstellung seines Berichts.




