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Ein- und weitere Flüsse
Am 21. April findet die nächste Veranstaltung im Rahmen unserer Vortragsreihe statt. Prof. Dr. Cornelia Zumbusch von der Universität Hamburg wird unser Gast sein und einen spezifischen Blick auf Goethes „West-östlichen Divan“ werfen. Sie spricht zu dem Thema: „des Dichters Mühle“. Goethes west-östliche Wasserwirtschaft.
Des „Dichters Mühle“, von der Goethe in einem Gedicht aus dem „West-östlichen Diwan“ spricht, ist eine Wassermühle. Von natürlichen Gewässern wie Meeren, Flüssen oder Quellen, aber auch von hydraulischen Anlagen wie Kanälen oder Springbrunnen ist in vielen „Diwan“-Gedichten die Rede. Der Vortrag deutet die Motive ir jordan 1 high 85 bred 202 des Wassers und der Wasserwirtschaft als poetologische Metaphern, in denen Goethe mehrere Überlegungen zusammenführt. In den Metaphern von Quelle und Welle reflektiert er zunächst seinen Umgang mit literarischen Einflüssen, die als Auseinandersetzung mit der persischen Dichtung im Zentrum des „Diwan“-Projekts stehen. Kanal und Brunnen bieten dabei Bilder einer geregelten Zirkulation, um die sich Goethe bei der Auseinandersetzung mit der persischen Dichtung bemüht. Das bewegte Meer bietet auch das Bild für den Umgang mit affektiven Kräften, die in der dichterischen Form weder stillgestellt noch entfesselt, sondern genutzt werden sollen. Die Wassermotivik enthält schließlich Ansätze zu einer besonderen Formreflexion. Als eine solche Form erscheint der in der persischen Dichtung wichtige Reim, den Goethe im „Diwan“ mal als geballtes Wasser, mal als Tropfen, mal als Ballspiel der Liebenden ins Bild setzt. Die Reaktualisierung der persischen Dichtung, die Rotation des affektgetriebenen Mühlrads wie auch der klangliche Rückbezug des Reims fallen also im Bewegungsmuster des zirkulierenden und sich rundenden Wassers zusammen.
Cornelia Zumbusch ist Professorin für Neuere deutsche Literatur an der Universität Hamburg. Sie hatte Gastprofessuren an der Harvard University und der UC Berkeley inne und wurde mit dem Wissenschaftspreis der Aby Warburg-Stiftung und dem Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der DFG ausgezeichnet.
Der Vortrag findet im Festsaal des Goethe-Nationalmuseums statt, Beginn ist 17 Uhr. Der Eintritt ist frei, um eine Spende wird gebeten. Nach der Veranstaltung wird herzlich eingeladen, das Gespräch in geselliger Runde in einem Weimarer Restaurant fortzusetzen.




