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Goethe weltweit, Interview

Fragebogen: Isabel Hernández González


Isabel Hernández in unserer Geschäftsstelle (Foto: Petra Oberhauser)

Im Mai und Juni hatten wir die spanische Germanistin Prof. Dr. Isabel Hernández González von der Universität Complutense in Madrid zu Gast in Weimar. Im Rahmen der ersten Hälfte ihres Werner-Keller-Stipendiums (sie kommt nächstes Jahr noch einmal zu uns nach Weimar) forschte sie hier zum Thema „Goethe und Cervantes“. Über ihre Eindrücke vor Ort spricht sie nun in unserem Fragebogen – sozusagen als Halbzeitbericht.

Wie haben Sie selbst zur deutschen Kultur gefunden, welche Einflüsse haben eine besondere Rolle gespielt?

Meine Eltern waren immer der Meinung, man sollte so früh wie möglich mit anderen Ländern und Kulturen in Kontakt kommen. Als ich 10 Jahre alt war, schickten sie mich also einen Sommer lang nach Deutschland, nach Osnabrück, wo ich bei einer deutschen Familie den deutschen Alltag kennenlernen konnte. Franco starb wenige Monate später. Diese Reise sollte für mich aber entscheidend sein, denn einige Jahre danach beschloss ich, ein Studium der Germanistik anzufangen, nachdem ich in der Schule und im Gymnasium die wichtigsten Autoren der deutschen Literatur gelesen und genossen hatte. Ich muss zugeben, dass ich sie immer lieber als die französischen las.

Wie haben Sie das Thema für Ihre wissenschaftliche Arbeit gefunden?

Ich habe mich lange sowohl mit Goethe als auch mit Cervantes beschäftigt. Es fällt mir auf, dass beide in so unterschiedlichen Zeitepochen ein so großes Interesse für die verschiedenen Gattungen der Prosa gezeigt haben. Dass beide die Formen des Romans und der Novelle in den jeweiligen Literaturen geprägt haben, hat mich zu dem Gedanken gebracht, dass vielleicht doch gewisse Beziehungen zwischen beiden bestehen, die über das rein Formale hinausgehen.

Was wussten Sie von Weimar, bevor Sie die Stadt kennengelernt haben? Was wussten Sie über die Goethe-Gesellschaft?

Ich war kurz nach der Wende einmal in Weimar gewesen – leider nur an einem Tag. Nach meinem Germanistikstudium wusste ich selbstverständlich vieles über Weimar und wollte unbedingt das Goethe- und das Schiller-Haus anschauen, wo beide gelebt und gearbeitet und ein so unglaubliches Werk geschaffen hatten. Jetzt habe ich eine Stadt samt ihrer Umgebung entdeckt, die mich in vielen Hinsichten fasziniert.

Als Mitglied der spanischen Goethe-Gesellschaft hatte ich schon öfters durch unsere Präsidentin, Frau Prof. Dr. Siguan, von den Aktivitäten der Gesellschaft in Weimar gehört. Sie hat mich dazu ermutigt, das Stipendium zu beantragen. Sonst wäre ich vielleicht auf die Idee gar nicht gekommen.

Wie beurteilen Sie den Verlauf Ihrer Studien in Weimar; gibt es Wünsche, bei deren Erfüllung die Goethe-Gesellschaft helfen kann?

Die Zeit in Weimar kann ich als sehr erfolgreich bezeichnen. Die Ausstattung der Bibliothek ist für mich als ausländische Germanistin einfach traumhaft. Ich bin sehr froh, dass ich nächstes Jahr nochmals hierher zum Forschen kommen kann.

Wie ist Ihr aktueller Eindruck von Deutschland allgemein, ist Ihnen etwas Besonderes aufgefallen, im guten wie im weniger guten Sinne?

Deutschland hat sich in den Jahren sehr verändert, aber das habe ich mehr oder minder miterlebt, sodass es mir eigentlich nicht auffällt. Was sich aus meiner Sicht zum Glück nicht verändert hat, ist die Qualität der Bibliotheken, wo man unter sehr guten Bedingungen arbeiten kann, wie es hier in Weimar der Fall ist.


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